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So plant Bundestrainer Neuenfeld die WM-Saison 2011

Bundestrainer Olaf Neuenfeld und sein Angreifer Patrick Thomas. (Foto: DFBL/Stöldt)

Bundestrainer Olaf Neuenfeld und sein Angreifer Patrick Thomas. (Foto: DFBL/Stöldt)

(DFBL/bec) — Während in den Bundesligen ab dem Wochenende die Faustbälle wieder in der Halle fliegen, plant Männer-Bundestrainer Olaf Neuenfeld schon den nächsten Sommer. Im Gespräch mit der DFBL erzählt er von den Plänen seines Trainerstabs für die WM-Saison 2011

Herr Neuenfeld, in 10 Monaten ist die Faustball-Weltmeisterschaft der Herren bereits Geschichte. Welches Fazit möchten Sie dann ziehen?
"Dann möchte ich die Gewissheit haben, alles für den Erfolg getan zu haben. Wenn sowohl die Spieler als auch der Trainerstab beruhigt sagen können 'Wir haben alles in unserer Macht stehende getan', dann bin ich zufrieden."

Unabhängig vom Ausgang? Spielt die Platzierung denn keine Rolle?

"Die Platzierung spielt gerade in einem Sportland wie Deutschland, wo Erfolg ausschließlich über die Platzierung definiert wird, eine wichtige Rolle. Egal, welche Sportart man bei uns als Beispiel heranzieht, wenn man gewinnt, hat man alles richtig gemacht und ist der Held. Wenn man verliert, war alles falsch und man wird als Trainer in Frage gestellt. Meine Sichtweise ist eine etwas andere, das habe ich in meiner dreijährigen Trainertätigkeit bei der dänischen Faustballnationalmannschaft gelernt. Wenn man im Vorfeld alles für das Ziel und den Erfolg tut und auch im Wettkampf alles gibt und seine beste Leistung abruft, kann man erhobenen Hauptes den Platz verlassen und zufrieden sein. Sollte es dann Gegner geben, die besser sind, muss man das akzeptieren und respektieren."

Bei der letzten Weltmeisterschaft 2007 in Oldenburg haben Sie den dritten Platz belegt. Haben Sie damals Bronze gewonnen oder Gold bzw. Silber verloren?
"Wir haben uns damals das Ziel gesteckt, mit dem phantastischen Publikum im Rücken Weltmeister im eigenen Land zu werden. Nach teilweise durchwachsenen Leistungen haben wir noch die Bronzemedaille erreicht. Die Enttäuschung war im ersten Moment groß, aber mit einigem Abstand haben wir das Maximum mit der damaligen Mannschaft erreicht. Ich werte heute die Bronzemedaille als Erfolg für uns, denn man muss neidlos anerkennen, dass die damalige Mannschaft vom späteren Weltmeister Österreich für uns im Halbfinale einfach eine Nummer zu groß war."

Damals wurde Ihnen vorgeworfen, mit einer völlig überalterten Mannschaft angetreten zu sein. Wie sehen Sie das heute?
"Ich habe seinerzeit auf die Karte Erfahrung gesetzt. Mit dem heutigen Wissen würde ich einiges anders machen und halte die Kritik für gerechtfertigt. Aber leider ist man immer erst hinterher schlauer. Das Ergebnis wäre wahrscheinlich das gleiche gewesen, aber so hätte ich bereits einige jüngere Spieler für die Zukunft Erfahrung sammeln lassen können, die sich engagierter und motivierter auf solch ein Event vorbereitet hätten als einige andere."

Richten wir den Blick nach vorne. Wie sehen Ihre nächsten Schritte aus und wann wird der von vielen Leuten mit Spannung erwartete Kader für die WM-Saison 2011 bekannt gegeben?
"Ich bin derzeit dabei, mit jedem in Frage kommenden Spieler ein persönliches Gespräch zu führen, um zu erfahren, ob sich unsere Erwartungen mit denen der Spieler decken. Wir wollen keine Erwartungen schüren, die dann später nicht umgesetzt werden können. Ich höre mir sehr genau an, wozu jeder einzelne bereit ist, sowohl zeitlich, beruflich als auch persönlich, sich bis zur WM intensiver mit dem Faustball allgemein zu beschäftigen und einen höheren Trainingsaufwand zu leisten und vor allen Dingen dies auch wirklich zu wollen. Da der Großteil der Spieler aus dem Süden kommt, ist es für mich sehr schwierig, mit den Spielern möglichst außerhalb eines Bundesligaspiels zu sprechen. Aber ich bin zuversichtlich, dass ich bis Ende des Jahres alle besucht habe. Anfang 2011 soll dann bereits der Kader bekannt gegeben werden. Wie viele Spieler er umfassen wird, kann ich erst nach den Gesprächen sagen."

Sie sprachen schon den höheren Einsatz eines jeden Einzelnen an. Inwieweit können Sie als Bundestrainer überhaupt Einfluss auf die Trainingsarbeit im Verein nehmen?
"Das ist sicherlich sehr schwierig. Wir sind auf eine gute Arbeit in den Vereinen angewiesen. Bei den Lehrgängen besteht unsere Aufgabe darin, aus den vorhandenen Spielern eine homogene Mannschaft zu formen, diese taktisch zu schulen, ein passendes System für sie zu finden, mit ihnen Gegneranalysen machen, den Teamgeist fördern und an der WM im August 2011 bereit zu sein. Auf den Lehrgängen können wir weder auf spezielle Technikschulung noch auf grundsätzliche Dinge eingehen. Wir versuchen gerade, ein Kommunikationsnetz zu den Vereinstrainern der potentiellen Kaderspieler aufzubauen, denn nur gemeinsam haben wir eine Chance auf den WM-Titel."

Wie soll dieses Netz denn aussehen?

"Es soll ein regelmäßiger Austausch in den nächsten Monaten statt finden, damit wir immer über das Engagement sowie die Form der Spieler informiert sind. Wichtig sind dabei natürlich auch Trainingsinhalte und Wünsche unsererseits, was uns bei den Spielern aufgefallen ist. Eine positive Bereitschaft haben bereits die Trainer der drei DM-Teilnehmer der Feldsaison aus dem Süden gegeben. Mit Jogi Bork (TV Stammheim), Dieter Thomas (TV Pfungstadt) und Markus Knodel (TV Vaihingen/ Enz) erfolgten bereits erste positive Gespräche und eine Bereitschaft der Unterstützung. Darüber sind wir sehr froh."

Sie sprachen bereits das Ziel „WM-Titel“ an. Ist das ihr persönliches Ziel und ist es als realistisch zu betrachten?
"Die Spieler des Nationalkaders 2010 haben auf den Lehrgängen zusammen ihr Ziel formuliert: 'Wir wollen Weltmeister werden!'. Das deckt sich mit dem Ziel des Trainerstabs und ich halte es durchaus für realistisch. Unter meiner Regie haben wir zwar seit 2006 international noch kein einziges Endspiel erreicht, aber wir sind in den letzten beiden Jahren jeweils nur denkbar knapp im Halbfinale an der Schweiz gescheitert. Die Weltspitze ist im Moment sehr eng zusammen und mit einer guten Tagesform kann jeder jeden schlagen. Dieses Ziel sehe ich auch nicht als unverschämt oder größenwahnsinnig an. Es werden alle fünf großen Nationen mit diesem Ziel nach Österreich reisen, auch Argentinien, die ich als Geheimfavoriten sehe. Wir werden zwar wahrscheinlich wieder das jüngste Team stellen, aber die Mannschaft ist sowohl sportlich als auch menschlich in den letzten beiden Jahren gereift und hat enorme Fortschritte gemacht."

Es macht in der letzten Zeit wirklich Spaß, Ihrem Team zuzuschauen. Es spielt mit vollem Einsatz und kämpf auch in bedeutungslosen Spielen, wie z. B. beim letzten Vorrundenspiel gegen die Schweiz, immer bis zum letzten Ball. Erwarten Sie das von ihrem Team oder ist das der „neue“ Charakter der deutschen Nationalmannschaft?
"Beides ist zutreffend. Die Spieler brauchen gar nicht viele Ansprachen in diese Richtung. Die Einstellung des derzeitigen Kaders deckt sich erstaunlich gut mit den Erwartungen des Trainerstabs. Es geht mir zurzeit wie meinem Trainervorbild Jürgen Klopp von Borussia Dortmund: Immer wenn ich die Jungs auf den Platz lasse, sehen die Zuschauer eine Vollgasveranstaltung mit Kampf und Einsatz bis zum letzten Ball. Die wenigen deutschen Zuschauer, die bei der diesjährigen Europameisterschaft in Ermatingen dabei waren, können das glaube ich bestätigen. Es ist für die Spieler mittlerweile ein Selbstverständnis, mit dem Adler auf der Brust alles zu geben. Das freut uns Trainer sehr, denn das ist auch unsere Einstellung zum Sport allgemein und zum Faustball im Speziellen.

Haben Sie schon Maßnahmen für 2011 geplant und wie sehen diese aus?
Es sind bereits alle Lehrgänge und Länderspiele für das nächste Jahr organisiert. Unser Fahrplan für 2011 sieht so aus, dass wir über Ostern ins Trainingslager in die Türkei gehen und danach beim Turnier in Vaihingen/ Enz am 30. April ein Länderspiel gegen die Schweiz bestreiten. Dann geht die Reise Anfang Juni weiter gen Norden nach Wangersen. Dort wird dann auch bereits der 10-köpfige WM-Kader nominiert. Mit diesem Kader geht es Ende Juli nach Jona in die Schweiz, wo wir am 29. Juli zum Rückspiel gegen die Schweiz antreten. Anschließend nehmen wir wie in diesem Jahr am Jonaer Oberseeturnier mit zwei Mannschaften teil. Direkt vor der WM ziehen wir das Team für den letzten Feinschliff in Pfungstadt und Geislingen zusammen, bevor wir dann am 7. August zu unserem ersten WM-Spiel gegen Katalonien/Spanien antreten. Am 13. August findet schließlich das WM-Endspiel in Pasching/ Linz statt, in dem wir hoffentlich nicht nur Zuschauer sein werden."

Im Vorfeld der WM gab es vor kurzem eine angeregte Diskussion um die Ticketpreise. Wie stehen Sie dazu und was raten Sie den deutschen Fans?
Ich habe diese Diskussion verfolgt und betrachte das vorsichtig ausgedrückt als unglücklich. Jetzt sind aber alle Unklarheiten beseitigt und die Preise halbwegs gerechtfertigt. Ich wünsche mir, dass uns viele deutsche Fans begleiten und uns unterstützen. Es wäre schön, wenn es seitens der DFBL organisiert werden könnte, dass wir einen „deutschen Fanblock“ bilden können und nicht alle Deutschen irgendwo im Stadion verteilt sind. Erfolg kann ich bei der WM zwar nicht versprechen, aber eine deutsche Mannschaft, die alles geben und niemals aufgeben wird!"