FAUSTINA e.V. unterstützt Leistungs- und Spitzen-Faustball der weiblichen Nationalmannschaften.

Oldenburg (DFBL/bec) — Nach dem Titelgewinn der deutschen Männer bei der Weltmeisterschaft in Österreich nimmt DFBL-Präsident Ulrich Meiners in einem Interview mit der Nordwest-Zeitung Stellung zur Zukunft des deutschen Faustballs, zur Medienpräsenz des Events in Österreich und zum Aufwand eines Nationalspielers.
Das Interview führte NWZ-Redakteur Lars Pingel.
Vor einer Woche ist die Männer-Nationalmannschaft Weltmeister geworden. In anderen Sportarten wird gerne davon gesprochen, dass ein derartiger Erfolg einen „Boom“ auslösen solle. Was erwartet der DFBL-Präsident?
Ulrich Meiners: "Es wäre schön, wenn der WM-Titel einen „Boom“ auslösen würde und plötzlich überall Faustball gespielt wird. Aber unabhängig von diesem „Boom“: Bundestrainer Olaf Neuenfeld hat gezielt darauf hingearbeitet, dass der deutsche Faustball nach 16 Jahren ohne WM-Titel diesen wieder einmal gewinnt. Dieser Erfolg war allerdings eigentlich erst 2015 erwartet worden. Der Trainer hat mit sehr jungen Spielern eine Mannschaft aufgebaut, in der der Brettorfer Christian Kläner mit seinen 27 Jahren schon der Zweitälteste war. Dass diese jetzt die WM gewinnt, war eine große Überraschung. Es freut mich aber natürlich sehr.
Was war das Erfolgsgeheimnis?
" Dieser Erfolg hat viele Väter. Wie schon gesagt, hat der Bundestrainer glänzende Arbeit geleistet. Er hat die Mannschaft sehr gezielt, sehr intensiv und damit sehr gut vorbereitet. Doch bereits 2005 wurden erste Weichen gestellt. Es wurde unter anderem ein Nachwuchsförderungskonzept erarbeitet, das sich positiv auswirkt. Ein Beispiel sind die Bundeslehrgänge der Jahrgänge U 13 bis U 15. Die möglichst frühzeitige Sichtung und Förderung von Talenten ist auch ein Grund dafür, dass ich es richtig finde, dass ab diesem Jahr auch für die Altersklasse U 12 Deutsche Meisterschaften veranstaltet werden."
Der Österreichische Rundfunk, der ORF, hat alle Spiele der österreichischen Nationalmannschaft sowie die beiden Halbfinals und das Endspiel live übertragen. Die Qualität und der Aufwand, um dies zu erreichen, waren sehr hoch. Nutzen Sie die Aufzeichnungen, um deutsche Sender davon zu überzeugen, dass Faustball doch ein fernsehtauglicher Sport ist?
"Ich denke nicht, dass ich deutschen Sendern erklären muss, wie sie Faustball attraktiv präsentieren könnten. Es ist nur sehr schwer, jemanden zu finden, der sich dafür begeistert. Das mag sich ändern, wenn die Öffentlich-Rechtlichen Sender ihren Auftrag wirklich wahrnehmen."
Der WM-Triumph war aber zu sehen...
"Das stimmt. Immerhin gab es ein paar Szenen in der „Sport-Reportage“ des ZDF am Sonntag. Aber in Österreich wurde das Finale vom ORF am Sonnabend zur besten Sendezeit gezeigt, also ab 20.15 Uhr. Und es dauerte zweieinhalb Stunden. So etwas ist traumhaft. Wir wären natürlich sehr froh, wenn es in Deutschland mehr Faustball zu sehen gäbe. Doch wir sind schon glücklich darüber, dass wir jetzt dieses hochwertige Bildmaterial haben, mit dem wir zeigen können, wie attraktiv und spannend Faustball ist. Das werden wir in Lehrgängen und bei vielen anderen Veranstaltungen nutzen. Zum Beispiel können wir die Frage „Was ist Faustball?“ nun ziemlich eindrucksvoll beantworten."
Es gibt ja nicht nur das Fernsehen. Wie zufrieden sind Sie mit dem Medienecho auf den WM-Titel?
"In den so genannten neuen Medien, zum Beispiel im Internet oder auf unserer Facebook-Seite, haben wir sehr hohe Zugriffszahlen. Sie gingen während der WM in den fünfstelligen Bereich. Dafür war die DFBL mit einem fünfköpfigen Medienteam vor Ort, das sehr gute Arbeit geleistet hat. So wurde unter anderem auch Bildmaterial für die USA zur Verfügung gestellt. In Deutschland stieß die WM in den Regionen auf großes Interesse, aus denen die Nationalspieler kommen. Aber auch in überregionalen Zeitungen war der WM-Erfolg der Nationalmannschaft zu finden. Das liegt sicher auch daran, dass die Nachrichtenagenturen berichtet haben."
Faustball ist ein Sport, der vor allem in regionalen Hochburgen gespielt wird. Sehen Sie die Möglichkeit, dass er in Zukunft eine größere Verbreitung findet?
"Daran arbeiten wir in der DFBL sehr hart. Der WM-Titel gibt dafür neue Motivation. Ganz wichtig ist natürlich, möglichst viele Trainer und Betreuer gut auszubilden, die dann in den Vereinen Faustball anbieten. Das gilt natürlich ganz besonders für den Jugendbereich. Wir bieten aber bereits jetzt gute Trainer- und Übungsleiterausbildung an. Die Verbreitung einer Sportart hängt aber auch davon ab, wie viele Menschen sich engagieren können. Und letztendlich ist das immer auch eine Frage des Geldes. Das steht uns allerdings nicht im Überfluss zur Verfügung. Im Gegenteil. Wir haben zwar durch die DFBL erreicht, dass wir mehr Mittel generieren können, aber das ist noch längst nicht genug. Wir hoffen, dass wir durch die Selbstständigkeit an Bundesmittel kommen."
In Österreich wird das Finale der WM zur besten Sendezeit gezeigt. Am Finalwochenende war das Stadion ausverkauft. 2007 fand die WM in Niedersachsen statt. Der Finaltag lockte sogar 10 000 Zuschauer ins Oldenburger Marschwegstadion. Gibt es Überlegungen, die WM-Turniere nur noch in Europa oder gar nur noch in diesen beiden Ländern auszutragen? Und, wenn ja, wie weit sind diese?
"Die gab es. Die zurückliegenden beiden WM-Turniere waren fantastisch. Die WM in Niedersachsen war von der Stimmung und den Zuschauerzahlen nicht zu toppen. Doch die Organisation und Präsentation der WM in Österreich war genauso glänzend. Die Organisatoren haben wirklich hervorragende Arbeit geleistet. Und die Stimmung war ebenfalls sensationell. Ähnliches gilt auch, wenn in der Schweiz große Turniere ausgetragen werden. Während der WM in Österreich fand die Tagung des Internationalen Faustball-Verbands statt. Dort wurde übrigens der Österreicher Karl Weiss zum Vorsitzenden gewählt. Aber auch die WM-Vergabe war ein Thema, das diskutiert wurde. Das Ergebnis ist, dass die WM auch in andere Länder gehen muss."
Warum?
"Natürlich wird das dann eine ganz andere WM. Aber wenn wir mehr Nationen für unseren Sport gewinnen wollen, müssen wir auch die WM dorthin bringen. Wir haben während der Tagung eine hervorragende Präsentation von der argentinischen Stadt Cordoba gesehen, die 2015 die nächste Männer-WM ausrichten wird. Sie wird staatliche Unterstützung erhalten. Die Frauen-WM 2014 wird in Dresden ausgetragen."
Noch einmal zurück zur deutschen Nationalmannschaft. Der Titel war erst für 2015 „geplant“. Jetzt ist er aber schon da. Heißt das, dass sich die Konkurrenz auf eine ähnliche Serie einstellen muss, wie nach Beginn der WM-Zeitrechnung? Von 1968 bis zum jetzt vorletzten Titelgewinn 1995 hieß der Weltmeister immer Deutschland.
"Schön wäre es doch. Aber im Ernst: Daran glaube ich nicht, auch wenn unsere Mannschaft noch Potenzial hat. Aber sie konnte bei dieser WM auch befreit aufspielen. Der Finaleinzug war schon ein großer Erfolg. Von jetzt an wird es schwieriger, denn die Erwartungshaltung ist gestiegen."
Und die Konkurrenz schläft nicht.
"Bestimmt nicht. Brasilien, das 1999 und 2003 Weltmeister war, kann seine Nationalmannschaft immer aus sehr vielen starken Nachwuchsspielern aufbauen. Die Brasilianer werden genau wie die Österreicher, Weltmeister 2007, und die Schweizer daran arbeiten, uns zu jagen."
Gibt es denn unter den gemeinhin als „die Kleinen“ bezeichneten Ländern eines, das sich anschickt, „den Großen“ das Fürchten zu lehren?
"Auf jeden Fall, und nicht nur eines. Die Weltspitze ist enger zusammengerückt. Argentinien ist jetzt ins Halbfinale eingezogen und stand dort gegen Österreich sogar kurz vor einem Sieg. Aber auch die Mannschaften aus Chile und Italien sind zuletzt deutlich stärker geworden und haben auf hohem Niveau gespielt. Ich bin mir sicher, dass es in Zukunft immer schwerer werden wird, eine WM zu gewinnen."
Das bedeutet, dass der Aufwand, den die Nationalspieler für ihren Sport betreiben müssen, noch größer wird.
"Die Nationalspieler sind natürlich alles Amateure. Es sind aber keine Hobbysportler oder Freizeitsportler. Ein Faustball-Nationalspieler – und natürlich auch eine Nationalspielerin – trainiert sehr oft, mehrmals pro Woche. Für ihn stehen einige Lehrgänge pro Jahr an, dazu fast jedes Wochenende Bundesligaspiele. Faustball-Nationalspieler müssen ihr Leben schon nach ihrem Sport ausrichten."
Quelle: Nordwest-Zeitung